Natural Fashion – Textilien aus Organischer Baumwolle

Biologische, naturfarbene Baumwolle aus fairer Verarbeitung – das ist die Botschaft von Natural Fashion, einer brasilianischen Firma, die Bekleidung für Damen, Herren und Kinder, sowie Spielzeug, Bettwäsche und Accessoires herstellt. Alle Produkte werden aus naturfarbener Baumwolle im brasilianischen Bundesstaat Paraiba unter nachhaltigen Bedingungen produziert. Die Baumwolle wächst in 4 natürlichen Farben und ist 100% frei von chemischen Produkten. Es ist ein sauberes und gesundes Produkt, das von Kleinbauern erzeugt und verarbeitet wird, die auf genossenschaftlicher Basis mit Natural Fashion verbunden sind.

Natural Fashion wird in der Schweiz durch „Delicatus Import & Handel“ vertreten.

Das Produkt wurde zertifiziert durch IBD (Instituto Bio Dinâmico). IBD ist die grösste Bio-Zertifizierungsorganisation Lateinamerikas und gleichzeitig die einzige Organisation in Brasilien, die Biozertifikate nach internationalen Standards verleihen darf (u.a. DEMETER und BIO SUISSE). IBD ist den Prinzipien der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) verpflichtet und zudem Mitglied von ORGANIC EXCHANGE und EMBRAPA (Staatliche Brasilianische Forschungsanstalt für Landwirtschaft).

 

Direkt zum Shop: http://shop.naturalfashion.ch

 

Geschichte der farbigen Baumwolle

Natürfarbige Baumwolle wurde bereits 2.500 Jahre vor Christi Geburt angebaut, belegt durch Ausgrabungen, die in Peru getätigt wurden. Muster von weißer Baumwolle, die in Pakistan gefunden wurden, reichen zurück bis ins Jahr 2.700 vor Christus. Somit sind weiße und farbige Baumwolle etwa gleich alt. Weiße Baumwolle hat seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in den genetischen Verbesserungsprogrammen mehr Aufmerksamkeit erhalten als die farbige Baumwolle. Konsequenterweise wurde dadurch der Unterschied zwischen diesen beiden Baumwollsorten im Vergleich zur ökonomischen Wichtigkeit betont. Das zwischenzeitlich vorgenommene Färben ist nicht so unüblich, wie es zu sein scheint, wenn man bedenkt, dass die bekannteste und am meisten angebaute und genutzte Faser die der weißen Baumwolle ist. Und obwohl viele wilde, diploide Baumwollsorten Fasern haben, die nicht zu Garn gesponnen werden können, sind sie in ihren Wurzeln farbig (verschiedene Braun- und Grüntöne). Ein Land wie die Vereinigten Staaten, Peru und China haben bereits kommerzielle Anbaugebiete mit farbiger Baumwolle.

Auch als es noch keine kommerziellen Anbaugebiete mit farbiger Baumwolle in Brasilien gab, wurden manche braune Baumwollfaserpflanzen in Bahia und Minas Gerais als Zierpflanzen genutzt, um daraus handgemachte Waren für die Innendekoration anzufertigen. Die braune Farbe dieser Baumwolle könnte von der ursprünglichen „G.barbadense L cottons“ her rühren, die die Fähigkeit hat, mit braunen Fasern zu wachsen und die in den oben genannten Regionen vorkommen. Sie kann aber auch von der wilden „G.mustelinum“ stammen, deren Faser ebenfalls braun ist, ursprünglich aus Brasilien kommt und in Bahia und Rio Grande do Norte beheimatet ist.
In den Jahren um 1980 reisten Forscher der Firma Embrapa (eine Firma, die sich auf Erforschung der brasilianischen Landwirtschaft und des Viehbestandes spezialisiert hat) in den nordöstlichen Staaten umher, um Samen von Baumwollpflanzen, die ähnlich zu denen waren, die auf den alten Plantagen oder in der Nähe gefunden wurden, an den Straßenrändern, in Wäldern und anderen Orten zu sammeln. Diese Samen vervollständigten die aktive „Genbank“-Bank und wurden in einer Kältekammer aufbewahrt, um für zukünftige Verbesserungsprojekte zu dienen. Es wurde beobachtet, dass viele von diesen Pflanzen eine hellbraun gefärbte Faser aufwiesen. Diese erste Abart der Farbfaser-Baumwolle hatte ihren Ursprung in den Samen, die im Nordosten gesammelt wurden und ist bekannt als BRS 200 und zeigt eine hellbraune Farbe. Daher wurde die tatsächlich im Nordosten existierende Abart von gefärbten Fasern in Baumwollsamen für die Synthese dieser Kultivierung genutzt.

Der Baumwoll-Unter-Stoff und die Faser von „Quadraploid-Baumwolle“ zeigen Farbenvariationen, die von Weiß bis hin zu verschiedenen Grün- und Brauntönen gehen. Normalerweise bestimmt nur ein Gen das Vorhandensein einer Farbe in der Pflanze. Neben dem genetischen Einfluss kann die Farbe der Faser bei Quadraploid-Baumwolle durch Umwelteinflüsse wie die Bodenart, den Mineralstoffgehalt oder Sonnenlicht beeinflusst werden. All diese Faktoren können die festgelegte Farbe stärker oder schwächer ausfallen lassen. Auch gibt es Jahre, in denen die Färbung von Fasern einer Plantage schwächer oder stärker ausfallen kann.
Aufgrund des Interesses, das japanische Geschäftsleute an der farbigen Faser zeigten, begann Embrapa am Anfang der 80er Jahre, diese zu verbessern. Sie fingen mit der ersten Plantage an, nämlich eine braunfarbene BRS 200, wie eingangs erwähnt. Ursprünglich wurde diese Art von Baumwolle für Kleidung von Neugeborenen verwandt oder für diejenigen, die allergisch auf Farben reagierten. Heute gibt es neben diesen Kunden, die diese Produkte aus natürlich farbiger Baumwolle verlangen, diejenigen, die generell an ökologischen Produkten interessiert sind. Farbige Baumwolle ist ökologisch, es werden keine Arbeitsschritte zum Färben benötigt, es werden keine Chemikalien eingesetzt, die, falls sie falsch angewandt werden, ökologische Probleme hervorrufen. Ohne den Bedarf an diesen Arbeitsschritten werden die Herstellungskosten für das fertige Produkt reduziert; als Konsequenz aber auch die Wasser- und Energiekosten; außerdem wird die Menge der Abwässer reduziert. Die Farben, die in der Industrie eingesetzt werden, sind gesundheitsschädlich und in manchen Fällen auch krebserregend. Der Färbeprozess ist umweltverschmutzend, da neben anderen Substanzen Rückstände an Salzen und Kelp (= Tangasche) in hohen Konzentrationen zurück bleiben. Das Bleichverfahren setzt Rückstände von Feuchthaltemitteln, Salzen, Natronlaugen, Peroxyden und Neutralisationsmitteln frei. Auch, wenn die Abwässer bearbeitet werden, bleiben ca. 15 % an Reststoffen zurück, die das Ökosystem, in dem sie freigelassen wurden, verschmutzen.

1995 wurden Materialien eingesetzt, die aus anderen Ländern stammten, aber in der Genbank vorhanden waren und diese hatten die Farbe in ihrer Faser. Und so begann Embrapa Algodão ein genetisches Verbesserungsprogramm, um andere Farben als hellbraun (BRS 200), das schon existierte, zu entwickeln. Die Materialien, die in der Genbank vorhanden waren und die gleiche Farbe aufwiesen, wurden nicht in Brasilien angebaut und waren von minderwertiger Qualität. Im Ergebnis musste es ein Verbesserungsprogramm geben, um Materialien zu erhalten, die eine genauso gute Qualität besaßen wie die aus Brasilien. Nachdem man dieses Material mit dem Material von guter Qualität gekreuzt hatte (weiße Fasern, die unter brasilianischen Konditionen angebaut wurden), wurden in den Jahren 2003 bzw. 2005 Farben wie BRS GRÜN, BRS ROT und BRS BLAU unter brasilianischen Qualitätsmerkmalen an den Start gebracht. All diese Stammkulturen haben Fasern, die von rotbrauner Farbe sind. Diese Plantagen werden einmal jährlich abgeerntet und sind nur im Nordosten realisierbar, wo ein jährlicher Niederschlag von wenigstens 600mm registriert wird. BRS 200 (von hellbrauner Farbe) kann zweimal im Jahr geerntet werden und wird für die trockensten Regionen im Nordosten empfohlen. Der lebenszyklus beträgt 3 Jahre bzw. anders ausgedrückt, produziert die Pflanze Baumwolle für 3 Jahre.

Die krautartigen Stammkulturen BRS GRÜN, BRS ROT und BRS BLAU können in anderen Regionen von Brasilien wachsen, solange man Vorkehrungen gegen Krankheiten trifft und Gegenden meidet, in denen solche bekannt sind. Krankheiten entstanden aus dem Grund, dass während diese Stammkulturen gesammelt werden, keine besonderen Vorkehrungen gegen Schädlinge getroffen werden, da diese im Nordosten sehr selten sind.
Die kommerzielle Anpflanzung von farbiger Baumwolle begann im Jahr 2000 auf einer Fläche von 10 Hektar mit der Sorte BRS 200 im Staate Paraìba, wie Tabelle 1 zeigt. Hier kann man außerdem die Steigerung der Anbaufläche in den folgenden Jahren erkennen. In der Ernte der Jahre 2004/2005 wurden 2.000 Hektar bearbeitet; hierin enthalten war auch eine Plantage mit der Sorte BRS GRÜN. Die Ernte von 2005 versprach einen Anstieg der Fläche, aber aufgrund von Unregelmäßigkeiten und Trockenheit zu Beginn des Anpflanzprozesses, war dieser nicht möglich. Im Jahr 2005 sollte die Anbaufläche ähnlich wie die im Jahr 2004 sein, allerdings mit Flächen der Sorten ROT und BLAU. Diese beiden Stammkulturen werden zum ersten Mal als kommerzielle Anpflanzungen mit Hilfe von Bewässerungen auftreten. Generell gesehen, wird die gesamte Produktion an farbiger Baumwolle In Paraìba verbraucht. Dort gibt es relativ kleine Firmen, die die Baumwollgarne oder -fasern kaufen und dort verschiedene Dinge wie Wolldecken, Hängematten, Tischsets und Bezüge und andere Dinge herstellen lassen. Diese Produkte werden in Paraìba und anderen Nachbarstaaten verkauft. Es gibt sogar ein Konsortium von Firmen, die Kleidung für Brasilien und Übersee herstellen. Andere Firmen starten ihr Geschäft mit farbiger Baumwolle, indem sie Bademäntel und Alltagskleidung herstellen, um diese in den Hauptstädten wie Sao Paulo, Minas Gerais und Rio Grande do Sul zu verkaufen.

Die BRS ROT- und BRS BLAU-Stammkulturen wachsen krautartig und sollten genauso behandelt werden wie die weiß-faserige Stammkultur. Im Nordosten ist es eine geübte Praxis, diese Gewächse auch zu verfüttern. Seuchen (Plagen] treten bei diesen Stämmen genauso häufig auf wie bei Weißfaser-Baumwolle, daher ist eine einheitliche Handhabung nötig, um diese Seuchen zu kontrollieren und einzudämmen. Obwohl in einigen Quellen davon berichtet wird, dass farbige Baumwolle eine größere Widerstandsfähigkeit gegen Seuchen hat, als weiße Baumwolle, sieht man in Wirklichkeit, dass beide Arten gleichermaßen von Plagen heimgesucht werden. Also sollte man auch beiden Arten die gleiche Pflege zukommen lassen. Die Fasern von BRS GRÜN, ROT und BLAU können auf Flächen von bis zu 3.000 kg/Hektar in der trockenen Umgebung des Nordostens angebaut werden, aber wenn es Jahre gibt, in denen die normale Regenmenge fällt oder Bewässerungssysteme eingesetzt werden, kann die Ernte wesentlich höher ausfallen. BRS ZOO sollte genauso angebaut werden wie „Arboreo Baumwolle“. Von daher sollten diese beiden Baumwollarten zusammen kultiviert werden. Und da die Sorte BRS 200 von der Größe her kleiner ist als „Arboreo Baumwolle“, kann es auch in einem Bewässerungsgebiet angebaut werden.
Farbige Baumwolle stellt eine Marktlücke dar und aus diesem Grunde sind die daraus gefertigten Produkte geringfügig teurer; aber die Kunden dieser Produkte sind gewillt, diesen höheren Preis zu zahlen. Als Konsequenz kann ein Produzent von farbiger Baumwolle einen höheren Preis für die Baumwolle, die er/sie produziert, erzielen und wird daher daran interessiert sein, farbige Baumwolle anzubauen. Es ist selbstverständlich, dass es keine Überproduktion an farbiger Baumwolle geben darf. Zu diesem Ziel versucht Embrapa Algodão, zusammen mit den anderen Organisationen, die Produktion auf jährlicher Basis zu koordinieren. Sie arbeiten außerdem daran, ein Zertifikat für die Herkunft der Baumwollfaser zu erstellen, das die Qualität und die Originalität der natürlichen Farbe bescheinigt. Auf diesem Weg können sie weitere Investoren für farbige Baumwolle anziehen und so sicherstellen, dass der Preis gerechtfertigt ist.